Takehito Koganezawa (*1974)

Raumgreifende, formal abstrakte Videoinstallationen und kleinformatige, naiv-surreale Zeichnungen – wie geht das zusammen? Der japanische Künstler Takehito Koganezawa, der zuweilen auch performt, zeigt es uns. In den gegensätzlichen Medien schafft er poetische Bildwelten, die dem subjektiven Empfinden von Zeit und Raum nachspüren und uns das Alltägliche mit neuem, unvoreingenommenem Blick offenbaren.

Vielzitiert ist Koganezawas Aussage, er wolle «das Nichts» zeigen, sozusagen auf das Loch des Donuts fokussieren. Dahinter steckt der Gedanke, die Dinge unabhängig von ihrer tradierten Bedeutung zu betrachten. Auch die Zeit versteht der Künstler nicht als fix berechnete Grösse, sondern als individuell erlebten Fluss. Aus alltäglichen Erscheinungen kreiert er so faszinierende, eigenwillig rhythmisierte Filme, die, teils von Musik begleitet, zur Kontemplation anregen: Sein Graffiti of Velocity (2008) taucht den ganzen Raum durch Mehrfachprojektion in das bewegte Leuchten einer nächtlichen Stadt, die der Künstler mit wackliger Handkamera aus dem Auto gefilmt hat. Eine Grossprojektion von Staub, aufgenommen im Licht eines Beamers, wird in der Arbeit Dust (2010) zu faszinierendem Farbregen. In seinen Zeichnungen hingegen überführt Koganezawa die bezaubernde Stimmung meist in eine figürliche, traumähnliche Narration. Zuweilen verschränkt er Film und Zeichnung miteinander, so auch bei der Arbeit Setting the Butterfly Free (Backbook #5): In der Aufnahme eines Notizheftes, das in der Art eines Daumenkinos durchgeblättert wird, scheinen die Farbpunkte von den Heftseiten loszuflattern. Als skulpturales Objekt wird besagtes Heft zudem – ebenfalls etwas surreal anmutend – von zwei weissen Gipshänden offengehalten.

 

Koganezawa, der von 1999 bis 2017 in Berlin lebte, hat für die Musikstücke zu seinen Werken teilweise mit bedeutenden Soundkünstlern wie Carsten Nicolai oder Robert Lippok zusammengearbeitet. Sein Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Stipendium des Japanischen Kunst- und Kulturdepartements (2001), mit dem Deutschen Ars Viva-Preis (2005) und dem Villa Aurora-Stipendium in Los Angeles (2008).

 

Takehito Koganezawa wurde 1974 in Tokio (JPN) geboren. Heute lebt er in Hiroshima (JPN).

 

Tätigkeitsbereiche: Zeichnung, Video, Performance

Werke von Takehito Koganezawa