Meret Oppenheim (1913 – 1985)

© Stefan Moses

Als Meret Oppenheim 1936 nach einem Cafébesuch mit Pablo Picasso und Dora Maar ihr mit Gazellenfell überzogenes Tassenobjekt Déjeuner en fourrure schuf, war sie gerade mal 23 Jahre alt. Der Ankauf dieses Werks durch das New Yorker Museum of Modern Art machte die junge Frau, die mit 18 die Schule abgebrochen hatte und nach Paris gezogen war, um dort Künstlerin zu werden, quasi über Nacht zum Star. Bis heute gilt die «Pelztasse» als eine Ikone des Surrealismus.

Dieser frühe Erfolg der Künstlerin, die in Paris zur Szene um Alberto Giacometti, Jean Arp und Max Ernst gehörte, mündete Ende der 1930er-Jahre in einer tiefen Schaffenskrise. Zum Broterwerb restaurierte Oppenheim Gemälde und entwarf Schmuck für Elsa Schiaparelli, bevor sie 1954 schliesslich zu ihrer künstlerischen Tätigkeit zurückfand, mit eigenem Atelier in Bern. Wie schon ihre frühen Werke zeugen auch die Arbeiten, die nun entstanden, von hoher Empfindsamkeit und einem untrüglichen Gespür für ebenso prägnante wie subtile Formfindungen für das Ungeformte. Schon mit 14 hatte Oppenheim ihre Träume notiert, die sie später in Gedichten verarbeitete, in Objekten und Bildern. Ihre Aufmerksamkeit für das Unbewusste, für die Schattenzonen zwischen Natur und Kultur, Mann und Frau, Erfahrung und Erinnerung korrespondierte mit einem wiederkehrenden Interesse an ephemeren Sujets wie Nebel, Wolken, Wasser – oder am unkontrollierten Wuchern der Gräser und Moose, Eiszapfen und Kalkausblühungen an ihrem berühmten Brunnen, den sie 1983, ein Jahr nach ihrer Teilnahme an der documenta 7 in Kassel, am Waisenhausplatz in Bern errichtete. Neben der frühen Gouache Granatapfelblüte, 1932 kurz nach ihrer Ankunft in Paris entstanden, befinden sich in der Sammlung der Mobiliar das Gemälde Verborgenes im Nebel (1974) sowie die Ölkreidezeichnung Wolken und Stern (1980). Beide Arbeiten lassen sich als Resultate einer mentalen Suche nach Bildern des Unbewussten verstehen.

Mit ihrer überbordenden künstlerischen Fantasie, die sich auf kein Medium, kein Material und keinen Stil festlegen lassen wollte, und mit ihrem Engagement für eine stärkere Anerkennung von Frauen in der Kunst wurde sie für ganze Generationen nachfolgender Künstlerinnen zu einer prägenden Leitfigur.

 

Meret Oppenheim wurde 1913 in Berlin-Charlottenburg (DEU) geboren; sie starb 1985 in Basel (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Objektkunst, Plastik, Malerei, Zeichnung, Collage, Holzschnittt, Brunnen


siehe auch

Werke von Meret Oppenheim