Maya Rochat

Portrait Maya Rochat aus der Videoarbeit 'Masse statt Klasse'

Auf den ersten Blick erinnern die Formen und Farben, wie Maya Rochat sie auf die Wände zaubert, an die Effekte bewusstseinserweiternder Substanzen. Doch was die Lausanner Künstlerin interessiert ist die Erweiterung der Malerei über die Grenzen des Bildes hinaus. Das Resultat sind multisensorische Erfahrungsräume und ein rasant wucherndes Werk, das zugleich den Materialfundus für immer neue Bilder und Performances liefert.

Rochat wuchs in einem unkonventionellen Elternhaus auf. Noch im Vorschulalter nahmen ihre Eltern sie mit Pferd und Planwagen mit auf eine mehrmonatige Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Später zog die Familie in ein Dorf bei Lausanne. Ihre Mutter, Innenarchitektin, weckte ihr Interesse für Malerei. Ab 2005 studierte Rochat Fotografie und Kommunikationsdesign an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL) und machte 2012 ihren Master in Fine Arts an der Haute école d'art et de design (HEAD) in Genf. Schon während des Studiums arbeitete sie für ihre ersten Live-Videoperformances mit befreundeten Musikern zusammen. In radikal assoziativen Fotoessays beschäftigte sie sich mit dem Bild als Produkt unzähliger Manipulations- und Bearbeitungsprozesse. Ausgangspunkt ihrer raumgreifenden Malereiinstallationen seit 2015 sind Fragmente eigener oder fremder Bilder und Fotografien, die sie in spektakulären, meist von Musik begleiteten Performances auf Stoffen, Putz und Plastikfolien seziert, verzerrt, übermalt und schichtet und mithilfe von Overheadprojektoren zu abstrakten Farbräumen erweitert. Die Intensität dieser Werke korrespondiert mit Rochats Anspruch, Kunst nicht in erster Linie für Museen zu machen, sondern um die Menschen in ihrem Alltag zu erreichen. Sie wolle schöne Bilder zeigen, sagte sie anlässlich ihrer Soloschau zur Verleihung des Prix Mobilière 2019, welche die Herzen der Menschen öffnen, sie positiv stimmen und über den Zustand der Welt nachdenken liessen.

Ein Grossteil von Rochats Arbeiten in der Sammlung der Mobiliar stammen aus dieser Ausstellung mit dem Titel Living in a Painting. Die oft wandfüllenden Formate erzählen vom immersiven Charakter der Rauminstallation, für die Rochat zunächst Boden und Wände mit Scans ihrer Malerei auslegte und tapezierte, bevor sie ihre aus Inkjetprints auf Papier, Silberpapier oder bemalter Folie geschichteten Bilder darauf platzierte. Konzipiert als eine Auseinandersetzung mit unserer beschleunigten Gegenwart, reflektieren Rochats Arbeiten eine bedrohte Welt im Fluss, durchzogen von unendlichen Strömen von Bilddaten, Plastikteilchen und anderen Rückständen einer von Menschen beförderten, unkontrollierbaren Akkumulation von Materie.

Maya Rochat gehört mit ihren Arbeiten, die in der Tradition von Künstlerinnen wie Vivian Suter oder Pipilotti Rist dem Bild neue Dimensionen der Räumlichkeit und Zeitlichkeit eröffnen, zu den wichtigsten jungen Künstlerinnen der Gegenwart in der Schweiz.

 

Maya Rochat, 1985 in Morges (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Lausanne (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Fotografie, Malerei, Video, Performance, Collage, Installation

Website des Künstlers

Werke von Maya Rochat

© Maya Rochat
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