Mariann Grunder (*1926)

Mariann Grunder gehörte zu den wichtigsten Schweizer Bildhauerinnen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Ihre Steinskulpturen, die oft literarische oder mythologische Themen berühren, vereinen Elemente aus dem Surrealismus, der Abstraktion und der Minimal Art. Ihr ebenso konsequentes wie vielfältiges Werk umfasst zudem zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken.

Die gebürtige Bernerin startete ihre künstlerische Karriere als Malerin, konzentrierte sich nach einer Steinbildhauerlehre und regelmässigen Studienaufenthalten in Paris ab Mitte der 1950er-Jahre aber zunehmend auf das plastische Arbeiten. Von Henry Moore und Hans Arp gleichermassen begeistert wie von Paul Cézanne und Piero della Francesca, entwickelte sie eine eigenwillige Formensprache, die sowohl aus dem Konstruktiven als auch aus dem Organischen schöpfte. Die Arbeiten von Mariann Grunder in der Sammlung der Mobiliar machen das in vielfältiger Weise anschaulich. Da sind zum Beispiel die drei im Prägedruckverfahren entstandenen Blätter Ohne Titel von 1972, deren reliefartig in das Papier versenkte Lineaturen entfernt an Landschaften, Pflanzen oder Figuren denken lassen. Nicht weniger entschlossen in der Linienführung zeigen sich ihre mehr als 35 Jahre später entstandenen Zeichnungen mit farbigen Klebebändern auf Papier (2007/2008). Wie so oft bei Grunder verdanken sie sich der experimentellen Übertragung alltäglicher Beobachtungen – hier der Arbeitsvorbereitung eines Anstreichers – in die eigene künstlerische Praxis. Als Vorlage dienten ihr wiederum gefundene Polaroidfotos. Gezielt auf der Grenze zwischen Bild und Objekt, Fundstück und Artefakt bewegt sich dagegen die 1996 entstandene Skulptur aus Liesberger Kalkstein, die ihre Spannung aus der Konfrontation von geologischer und geometrischer Form bezieht. Zu den prominentesten Arbeiten Grunders in der Sammlung gehört jedoch ihre Muschelskulptur aus schwarzem Kalk (1990), die sich als elegante Reduktion der organischen Schalenform auf Halbkugel und Quadrat zeigt.

 

Mit ihrem offenen, unkonventionellen Blick für den Zusammenhang von Linie und Raum schuf Grunder ein vielfältiges Werk, das in der beständigen Befragung der Möglichkeiten der Skulptur auch und vor allem immer wieder junge Schweizer Kunstschaffende inspiriert.

 

Mariann Grunder (auch Susy Mariann Grunder), 1926 in Bern (CHE) geboren, starb 2016 Bern.

Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Plastik, Kunst am Bau, Zeichnung, Druckgrafik, Mixed Media


siehe auch

Werke von Mariann Grunder

© Mariann Grunder
Mariann Grunder

Ohne Titel

© Mariann Grunder
Mariann Grunder

Ohne Titel

© Mariann Grunder
Mariann Grunder

Ohne Titel