Albert Rouiller (1938 – 2000)

Wie finden barocke Verspieltheit und geometrische Reduktion, Abstraktion und Expressivität zusammen? Der Westschweizer Bildhauer Albert Rouiller zeigte es in seinem plastischen Schaffen, dem er sich mit viel Leidenschaft und Respekt für das Material verschrieben hatte.

Fünfzehn Jahre jung trat Albert Rouiller in die Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule in Genf ein; gleichzeitig studierte er Gips- und Gusstechniken an der Schule für angewandte Kunst. Danach kam seine Karriere rasch ins Rollen: 1958, im Jahr seines Abschlusses, konnte er als Steinmetz an der Fassadenrenovation des Grossen Theaters in Genf mitarbeiten, bereits kurz darauf erhielt er eigene Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum. Zunächst arbeitete er bevorzugt in Stein, ab 1962 vermehrt mit Bronze und anderen Metallen. Nach frühen geometrisch geprägten Volumina, die zunehmend aufbrachen, wurden ab Mitte der 1960er-Jahre dynamische «Gefüge» mit Gelenk- und Scharnierstellen charakteristisch für Rouiller: Die oft mehrteiligen Plastiken, teils aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt, erinnern, obwohl formal abstrakt, an Figuratives, Organisches, manchmal aber auch an Mechanisches, Surrealistisches oder eben Barockes. Ab 1980 wandte er sich wieder vermehrt dem Stein zu. Die Formen wurden schlichter, blieben aber bewegt und von der Einung von Gegensätzen bestimmt. Ähnlich entwickelte sich parallel sein zeichnerisches Werk: Anfängliche lineare Kompositionen wirken wie Studien zu den komplexen Windungen seiner Skulpturen. In den 1980er-Jahren wurden die Zeichnungen und Grafiken geometrisch flächig und bald auch farbig.

 

Rouiller, der ab 1988 zwischen Genf und Palma de Mallorca pendelte, war mit seinem Werk für den öffentlichen Raum und als Mitbegründer des Berufsverbandes Genfer Bildhauer für die Westschweizer Kunstlandschaft von grosser Bedeutung. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören vier Kiefer-Hablitzel-Preise und zwei Eidgenössische Kunststipendien (alle in den 1960ern verliehen).

 

Albert Rouiller, 1938 geboren in Genf (CHE), starb 2000 in Soral nahe Genf.

Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Kunst im öffentlichen Raum, Zeichnung, Druckgrafik 


siehe auch

Werke von Albert Rouiller

© Albert Rouiller
Albert Rouiller

Ohne Titel

© Albert Rouiller
Albert Rouiller

Ohne Titel