Yves Netzhammer

© Yves Netzhammerl; Fotograf Andri Pol

Mit seinen Zeichnungen und Animationen thematisiert der international bekannte Schweizer Künstler Yves Netzhammer die Beziehungsgeflechte von Individuum und Umwelt, Innen- und Aussenwelt. Seine minimalistischen, glatten Figuren und Gegenstände bilden eine unverkennbare Formsprache, die über die Zeit nicht an Aktualität einbüsst. Sie prägt auch seine raumfüllenden Installationen mit eigens arrangierten Objekten.

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Bereits im Medium der Zeichnung ist Netzhammers kühle 3D-Ästhetik angelegt; dies veranschaulichen auch seine Werke in der Sammlung der Mobiliar. Ein Siebdruck aus einer sechsteiligen Serie zeigt zwei Unterarme mit blutroten Fingern, die sich in die Höhe strecken. Zugleich öffnet sich in die entgegengesetzte Richtung jeweils eine weitere, kleinere Hand in den Unterarm hinein. An den Fingern werden Fäden gehalten, wie wenn sich jenseits des Bildfeldes eine Marionette befände. Tropfen an den Fäden lassen an Venen denken, so als ob die Hände nicht nur einen, sondern mehrere Lebensfäden in den Händen hielten. In einer weiteren Arbeit schwebt eine Gestalt auf einer grünen Kreisfläche im Raum und ist im Begriff, sich in einen Baum zu verwandeln. Im Medium der Computeranimation finde er den offenen, gravitationslosen Raum, in dem alles fliesst, erklärt der Künstler. Netzhammers Arbeiten verankern sich sowohl medial als auch beim Betrachtenden im Jetzt. So wecken sie – fremd, verstörend und surreal – doch das Gefühl einer eigenartigen Vertrautheit. Die Szenen, die Netzhammer entwickelt, lassen keine rationale Entschlüsselung zu. Vielmehr verzweigen, verstricken und durchdringen sich darin verschiedene Bedeutungsebenen wie in einem Traum. Seine Arbeiten sind Platzhalter für Sehnsüchte und Ängste, wobei die abstrahierten, geschlechtslosen Figuren als ideale Projektionsfläche fungieren.

Nach einer Lehre als Hochbauzeichner wandte sich Netzhammer der Kunst zu – mit raschem Erfolg. Er wurde für seine Kunst mit diversen Preisen ausgezeichnet, so auch 2002 mit dem «Prix Mobilière», damals noch «Prix Providentia» genannt. Seine Zeichnungen im Magazin des «Tages-Anzeigers» machten ihn ab 1999 einem breiten Publikum bekannt. Darüber hinaus hat er sein Schaffen in Theaterproduktionen eingebracht. 2007 vertrat Netzhammer die Schweiz an der Biennale in Venedig.

 

Yves Netzhammer ist 1970 in Affoltern am Albis geboren; er lebt und arbeitet in Zürich.

Tätigkeitbereiche: Zeichnung, Video, Installation

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