Van Bo Le-Mentzel

© Van Bo Le-Mentzel

Er habe aufgehört, Arbeit und Freizeit zu trennen, erklärte der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel 2015 in einem Interview; für ihn gebe es nur noch eine Arbeit, und die nenne er «Karma-Arbeit». Tatsächlich hat Le-Mentzel schon viel für ein gutes Karma getan: mit Projekten zwischen Architektur, Design und Konzeptkunst, von denen auch – und gerade –Menschen mit schmalem Geldbeutel profitieren können.

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«Hartz IV» heisst in Deutschland die Grundsicherungsleistung für Arbeitslose und für Erwerbstätige, die aufgrund ihres geringen Einkommens als hilfebedürftig eingestuft werden. Hartz IV hat Le-Mentzel auch eine Möbelkollektion getauft, die er 2010 zu entwickeln begann. Damals selbst arbeitslos, besuchte er einen Tischlerkurs und entwarf einen Sessel, der in seiner eleganten Schlichtheit von Designklassikern der Bauhaus- und De-Stijl-Gestalter inspiriert ist, aber lediglich aus einem Brett für 24 Euro hergestellt wird. Es folgten ähnliche Entwürfe für einen Hocker, ein Sofa, ein Regal und diverse andere Einrichtungsgegenstände. Mit einer Auswahl aus dieser Kollektion stattete Le-Mentzel 2013/2014 die Wartezone im Eingangsbereich der Mobiliar in Bern aus. Und er fügte der Hartz-IV-Lounge ein weiteres Designobjekt hinzu: die Schweizer Bank, eine Mischung aus Sitzbank und Truhe. Die Ironie dahinter ist selbsterklärend, wird aber noch klarer, wenn man weiss, dass Le-Mentzel die Baupläne für seine Hartz-IV-Möbel kostenlos im Internet zur Verfügung stellt. Wer mag, kann seinen 24 Euro Sessel und alle weiteren Objekte selbst herstellen, erbeten ist nur eine Dokumentation des Produktionsprozesses.

Le-Mentzel hat mit den Hartz-IV-Möbeln für Furore gesorgt, aber auch mit zahlreichen Crowdfunding-Projekten wie dem Unreal Estate House, einem fünf Quadratmeter grossen Haus mit allen notwendigen Einrichtungen, in das ein Obdachloser einziehen durfte. Immer wieder beweist Le-Mentzel, dass es ihm nicht um finanziellen Gewinn geht, sondern um konkrete Lösungen für soziale Probleme. Um Karma, eben.

 

Van Bo Le-Mentzel wurde 1977 in Laos geboren; er lebt und arbeitet in Berlin.

Tätigkeitsbereiche: Möbeldesign, Architektur- und Wohnkonzepte, Crowdfunding-Projekte

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Was, wenn alles, was nicht Kunst ist, uns tötet?