Vaclav Pozarek

© Vaclav Pozarek; Fotograf: Dominique Uldry

Das Interesse an der konkreten Kunst führte Vaclav Pozarek 1968 von der Tschechoslowakei in die Schweiz. Inzwischen gehört er zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. In seinen Plastiken und Installationen sucht er Schnittstellen zwischen Kunst und Alltagsobjekten. Dabei kreisen seine Fragen immer wieder um die Präsentationsformen der Kunst.

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Die neunteilige Serie Ohne Titel (2003/2004) zeigt jeweils ein mittig auf ein Blatt Papier gesetztes, ockerfarbenes Rechteck, das durch den hohen Wassergehalt im Aquarell den Blatthintergrund leicht hervorschimmern lässt. Um das Rechteck herum formieren sich verschiedene Dreiecksformen – mal spitz-, mal stumpfwinklig. Feine Bleistiftlinien, die sich bis an den Bildrand fortsetzen, lassen die geometrische Skizze vor dem Farbauftrag erahnen. In einer weiteren Werkserie arbeitet Pozarek mit einer rechteckigen Grundfläche, die quadratische und rechteckige Binnenformen aufweist. Die Werkserie erschliesst sich erst anhand der vier Titelsetzungen: Kinderzimmer, Herrenzimmer, Dienerzimmer, Damenzimmer. Ausserhalb des grossen Rechtecks sind in Kreide die weissen Aussparungen beschriftet: Tisch, Stuhl, Bett, Schrank. Die abstrakt geometrische Fläche erweist sich mithin als Grundriss eines Zimmers samt Möbelstücken, ähnlich einem Einrichtungsplan. Seine architektonisch anmutenden Zeichnungen verweisen auf ein anderes grosses Arbeitsfeld Pozareks, das auch Fotografien architektonischer Situationen umfasst: auf seine Installationen und Plastiken, die häufig eine auffallende Ähnlichkeit mit Alltagsobjekten – etwa mit Schränken oder Lattenzäunen – besitzen. In dieser Durchmischung kann es durchaus vorkommen, dass Pozarek sich entschliesst, eine Ausstellungswand oder einen Ausstellungsraum in sein Werk zu integrieren.

Es ist ein feiner Humor, der immer wieder durch das Werk Pozareks weht. Seine Arbeit nimmt Elemente des Konstruktivismus, der konkreten Kunst und des Minimalismus auf, treibt diese aber mit grosser Konsequenz und Leichtigkeit weiter. Der Plastiker Anthony Caro, bei dem Pozarek zwischen 1971 und 1973 in London an der St. Martin’s School of Art studierte, wird seinen Teil dazu beigetragen haben.

 

Vaclav Pozarek wurde 1940 in Budweis CZE) geboren; er lebt und arbeitet in Bern (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Plastik, Installation, Zeichnung, Collage, Fotografie, Plakatkunst, Druckgrafik, Konzeptkunst

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