Thomas Popp

Der Entschluss, den der Fotograf Thomas Popp in den 1990er-Jahren gefasst hat, scheint im Rückblick fast revolutionär: Entgegen der medialen Bilderflut, die sich erst im folgenden Jahrzehnt als unaufhaltsames Zeitphänomen manifestieren sollte, hat er seinen Bilderzyklus Landschaften/5500 Kelvin von Beginn an auf 200 Motive limitiert. Das Konvolut, das im Wesentlichen sein Œuvre ausmacht, ist eine Art Bestandsaufnahme möglicher Umgebungen.

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Für sein Langzeitprojekt hatte sich Popp, der seine Ausbildung 1989 bis 1992 in der legendären Düsseldorfer Fotoklasse von Bernd und Hilla Becher absolvierte, weitere Auflagen gesetzt: Neben dem (fast) durchgängigen Querformat ist vor allem die als ideal geltende Lichttemperatur von 5500 Kelvin massgebend, die jeder Studiofotograf künstlich erzeugt und die in freier Natur nur selten herrscht. Popp hat für all seine Aussenaufnahmen diese optimale Ausleuchtung gesucht. Dabei will er keineswegs das viel zitierte «Erhabene» der Landschaft in Szene setzen. Er strebt vielmehr eine sachlich-demokratische Wiedergabe von Berg- oder Seelandschaften, Städten und Quartierszenerien an, eine Art Musterkatalog dessen, was Landschaft sein kann. Trotz gelegentlich frappanter Farbkontraste, wie sie auch die Werke im Besitz der Mobiliar aufweisen, wirken Popps Bilder stets ruhig, unaufgeregt und ausgewogen. Menschen kommen gelegentlich vor, spielen aber eine Nebenrolle. Vorder- und Mittelgründe scheinen ihm wichtiger als Hintergründe und bildnerische Tiefe. Seine Werktitel – schlicht die Nennung der Aufnahmeorte – zeugen von seiner regen Reisetätigkeit und wiederum von seinem konzeptuellen, dokumentarischen Ansatz.

Parallel zu seinem künstlerischen Schaffen betrieb Thomas Popp ab 1992 auch ein Fotoatelier –zunächst in der Ostschweiz, ab 2000 in Chur. Sein künstlerisches Schaffen wurde unter anderem 1999 mit dem Eidgenössischen Kunstpreis und 2006 im Wettbewerb für professionelles Kulturschaffen des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Umfassend wurden seine Landschaften zuletzt 2007 im Kunstraum Kreuzlingen gezeigt.

 

Thomas Popp wurde 1966 in Arbon (CHE) geboren. Heute lebt und arbeitet er in Chur und Davos (CHE).

Tätigkeitsbereich: Fotografie

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