Thomas Julier

© Vanessa Disler

Wie Technologien sich verändern und wie sie unsere Wahrnehmung der Realität beeinflussen, darauf liegt der Fokus der Arbeiten von Thomas Julier. Das Werk Requiem for RGB ist während eines Aufenthalts in New York entstanden und wurde von Julier speziell für den «Prix Mobilière 2015» konzipiert. Es zeigt fünf Ausschnitte aus einer animierten Neonreklame am Times Square, die der Künstler fotografisch festgehalten hat.

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Julier überführt das Licht der am Times Square entdeckten Animation in Fotografien, die er – physisch greifbar – auf Glas druckt und von hinten beleuchtet. Dazu schreibt er: «Es geht also um eine Übersetzung von Licht, und darum, Licht von einem Träger auf einen anderen zu übertragen. Es sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass es sich um fünf Fotografien handelt, sogzusagen um hinterleuchtete Glaspositive, oder auch fünf Filmframes.» Der Titel Requiem for RGB bezieht sich darauf, dass sich die Farben der Werbedisplays seit dem Aufkommen der LED-Technik nicht mehr aus einzelnen entweder rot, grün oder blau aufleuchtenden Dioden zusammensetzen, sondern die Bildpunkte nun in allen möglichen Farben erscheinen können. Sie verlieren also ihre vormals spezifische Funktion. Eine Diode kann nun mehrere Grundfarben auf einmal streuen. Das bedeutet, dass sich die Farben Rot, Grün und Blau nicht erst im Auge des Betrachters, sondern bereits im Medium selbst mischen können. Der Künstler reflektiert mit seinen «Glaspositiven» zugleich die in der Medien- und Kunstwelt überhandnehmende Tendenz zu glatten, glänzenden und scheinbar undurchdringlichen Oberflächen. Als Fotograf und experimenteller Filmemacher fragt Julier sich: Was macht diese geglättete Oberfläche der Medien mit uns und wie verändert sich dadurch unser Bild von der Wirklichkeit?

Julier arbeitete zunächst als Mediamatiker, bevor er an der Zürcher Hochschule der Künste Fotografie studierte. Er konnte seine Arbeiten bereits in zahlreichen namhaften Ausstellungshäusern präsentieren, darunter das Swiss Institute in New York und das Fotomuseum Winterthur.

Geboren wurde Thomas Julier 1983 in Brig (CHE); er lebt in Zürich (CHE) und Brig.

Tätigkeitsbereiche: Installation, Skulptur, Lichtskulptur, Fotografie, Experimentalfilm, Textkunst

X Weniger

«Kunst sollte uns in viele Richtungen bringen dürfen, nicht nur weiter. Dieses Wort ‹weiter› ist bedeutungsgeladen. Daraus spricht der Glaube an Fortschritt und die Vorstellung, dass Zeit linear verstreicht, der Wunsch nach Kontinuität und die ewige Sehnsucht nach besseren Tagen. Für mich ist Kunst kein Instrument dieser traurigen Vorwärtsbewegung. Sie erlaubt uns, gewisse Ideen und Vorstellungen aufzuweichen, uns in anderen Gefügen zu wähnen, an anderen Orten zu denken und in anderen Zeitlichkeiten zu leben.»