Thomas Feuerstein

© Thomas Feuerstein und Bildrecht GmbH, Wien

Es kann vorkommen, dass man sich in Thomas Feuersteins Ausstellungen eher in einem wissenschaftlichen Labor als im Kunstkontext wähnt. (Bio-)Chemische Prozesse bilden – im wahrsten Sinne des Wortes – den Nährboden für seine Objekte, Installationen, Gemälde und Zeichnungen. Gekoppelt mit Erkenntnissen aus Philosophie, Literatur, Politik und Ökonomie ergibt das ein höchst vielschichtiges Werk.

Weiterlesen

Die Themen, die Feuerstein verhandelt, weisen weit über das sichtbare Resultat des jeweiligen Experimentes hinaus. Das Wesen der Naturwissenschaften wird ebenso beleuchtet wie der Ursprung von Leben oder Fragen nach Autorschaft, nach Natur und Künstlichkeit, nach Fakt und Fiktion. So hat er etwa in einer riesigen Installation ein Halluzinogen aus Pilzen und Algen produziert oder aus letzteren transparente Glukose gewonnen, um damit Bilder zu malen, die erst sichtbar werden, wenn sich Fruchtfliegen darauf festsetzen. Beispielhaft für seinen Ansatz ist auch VICTOR (CANDY LAMP #4) aus der Mobiliar-Kunstsammlung: Der Künstler beschreibt das Werk als «ein hybrides Objekt aus Stehlampe, Photobioreaktor und künstlicher Zimmerpflanze». Schwebealgen betreiben darin unter Einwirkung von Leuchtstoffröhren Photosynthese. Die irritierende Verquickung von Technik und Natur, die in diesem futuristisch anmutenden Objekt skulptural umgesetzt ist, ist auch Thema der Tuschezeichnungen aus der Serie MACHINE NATURELLE, deren Bildsprache allerdings eher an Darstellungen fantastischer Zukunftsvisionen aus früheren Zeiten erinnert.

Thomas Feuerstein hat sich nicht nur mit seinen Installationen an der Grenze von Kunst und Wissenschaft einen Namen gemacht, sondern auch als Kunsttheoretiker und Netzkünstler. Von 1992 bis 1993 forschte er im Auftrag des österreichischen Wissenschaftsministeriums zu Kunst im elektronischen Raum und zu Kunst und Architektur. Ausserdem gründete er 1992 das Büro für intermedialen Kommunikationstransfer und den Verein medien.kunst.tirol.

Thomas Feuerstein wurde 1968 in Wien (AUT) geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet.

Tätigkeitsbereiche: Objektkunst, Installation, Zeichnung, Malerei, Netzkunst, Fotografie, Video

X Weniger

"Dann sehen wir die Welt mit vielen menschlichen und unmenschlichen Augen; als Wurm, Vogel, Berg, Sandkorn, Meteorit, Maschine, Molekül, Sklave, König …."

siehe auch