Tatsuo Miyajima

Die Digitalisierung und totale Vernetzung als vierte industrielle Revolution wird unseren Alltag markant verändern. Tatsuo Miyajima ist seit den frühen 1990er-Jahren als Installationskünstler im Bereich der neuen Medien tätig. Mittels Computer, Video, LED-Displays und Relais entwickelt er eine eigenständige Ästhetik. Zeitgemässe Prinzipien wie «Keep Changing» («sich weiter verändern»), «Connect with Everything» («sich mit allem verbinden») und «Continue Forever» («für immer weitermachen») prägen sein Schaffen: Nichts existiert unabhängig von etwas anderem, alles unterliegt dem Fluss der Zeit und verändert sich.

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Hintergrund der teils sehr grossflächigen Interventionen von Miyajima ist eine Kosmologie aus Elementen des westlichen Humanismus und der zenbuddhistischen Lehre. Für das Werk Life (Rhizome) No. 3 hat Miyajima in Zusammenarbeit mit einem Experten für künstliche Intelligenz, Takashi Ikegami, eine neue Generation von LED-Platinen entwickelt. Ihr Zählmuster von 1 bis 99 folgt keiner festgelegten Struktur, sondern verändert sich völlig unberechenbar wie ein lebender Organismus. Die Zahl versteht Miyajima als eine Metapher für jegliche Form von Leben und Veränderung und also auch für Vergänglichkeit. Das ist der Grund, weshalb die Zahlen sowohl von 1–9 aufwärts als auch von 9–1 rückwärts zählen, wobei die Null nicht angezeigt wird. Sie markiert eine Art Schwebezustand zwischen dem Lebenszyklus von Werden, Vergehen und neuem Werden. Der im Werktitel verwendete Begriff «Rhizom» (Wurzelgeflecht) steht als Metapher für ein neues Modell der Wissensorganisation, die nicht mehr eine hierarchische, sondern eine vernetzte ist – wie wir das heute aus dem Internet kennen.

Der als Maler ausgebildete und anfangs als Performer tätige Miyajima folgt mit seinem Fokus auf das Thema Zeit einer japanischen Kunsttradition, die auch Künstler wie On Kawara und Hiroshi Sugimoto repräsentieren. Er versucht jedoch, Zeit nicht einzufrieren, sondern sie unendlich zu dehnen. In der Schweiz wurde Miyajima mit Ausstellungen im Kunstmuseum St. Gallen, in der Kunsthalle Zürich und im Zürcher Museum Haus Konstruktiv bekannt.

Geboren wurde Tatsuo Miyajima 1957 in Tokio (JPN); er lebt und arbeitet in Moriya (JPN).

Tätigkeitsbereiche: LED-Skulptur, Zeichnung, Performance, ortsspezifische Installationen

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“Art exists for a person to empathize with another. It exceeds the difference of language, race, country and thoughts. I believe it is absolutely necessary for people to overcome difficulties and to live in peace.” («Zweck der Kunst ist es, dass man sich in andere hineinversetzt. So werden Unterschiede in Sprache, Rasse, Herkunftsland und Gedanken überwunden. Ich denke, dass die Kunst für das Überwinden von Schwierigkeiten und das Leben in Frieden absolut notwendig ist.»)

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