Stephan Melzl

© Stephan Melzl, Frankfurt / Main

Der Malstil von Stephan Melzl erinnert an altmeisterliche Techniken, und er erfordert so viel Zeit, dass der Künstler pro Jahr höchstens zwölf Bilder fertigstellt. Seine rätselhaften Menschenbilder überraschen durch Virtuosität und Feinheit.

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Die Arbeitsweise von Stephan Melzl lässt sich in gewisser Weise mit dem Gestaltungsgestus barocker Grossmeister wie Caravaggio, Reni oder Poussin vergleichen. Auch im Bild Micky zeigt sich eine Konfrontation zwischen einer vermeintlich heiteren Szene und ihrer dennoch surrealen Atmosphäre: Eine Frauengestalt blickt durch ein Fenster in Micky-Maus-Form auf eine idyllische, traumhaft-unwirkliche Naturlandschaft. Melzl ist ein Meister im wohldosierten Inszenieren kunstvoller Brüche. In seiner Micky-Bildwelt lässt er kontrastierende Realitätsebenen nicht aufeinanderprallen, sondern paradoxerweise malerisch sanft und nahezu organisch ineinandergleiten. Als könne Melzl sich ihm nicht entziehen, wiederholt er das Motiv des Mickey-Maus-Kopfes als Muster auf der weissen Badehose der Frau. In dieser Bild-in-Bild-Situation erscheint der Ausblick in die Natur als die Vergrösserung eines Textilaufdrucks. Melzl besticht als Maler anregender Metaphern voller grotesker Sinnlichkeit und Intensität.

Stephan Melzl wurde als ehemaliger Städel-Schüler bislang in Frankfurt, Köln und München mit grossen Einzelausstellungen geehrt. Seine Werke sind reich an kunsthistorischen Anspielungen und Zitaten, vornehmlich aus der Malerei der Renaissance und des Barock. In seinen Gemälden werden die Kunstgattungen lustvoll gemixt: Votivtafel und Filmstill, Idyll und Pin-up, Groteske und Pop-Geste.

Geboren wurde Stephan Melzl 1959 in Basel (CHE); er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main (DEU).

Tätigkeitsbereich: Malerei

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