Rolf Iseli

© 2017, ProLitteris, Zürich

Nach Einschätzung von Georg Schmidt, dem damaligen Direktor des Kunstmuseums Basel, war der Schweizer Maler Rolf Iseli 1958 einer der «Radikalsten unter den Tachisten» – einer künstlerischen Bewegung, die die spontane, abstrakte Formfindung, das «Informel» vertrat. Das vielseitige Œuvre Iselis fand damit einen fulminanten Auftakt. Immer wieder reflektiert es die Situation und Gedankenwelt des Künstlers.

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Bis 1966, einem von kritischer Selbstbefragung geprägten Jahr, bevorzugte Iseli die Ölmalerei: Komposition (1960) zeigt eine blaue Fläche mit schemenhaft angedeuteten grauen Elementen. Der Farbauftrag erscheint gestisch, spontan, unruhig. Ab Ende der 1960er-Jahre spiegelt seine Kunst ein wachsendes Interesse an räumlichen Arbeiten wider: Die dreifarbige Lithografie Liegende Fünf (1970) ist ein plastisch gezeichneter Entwurf, aus dem drei Jahre später die 23 Tonnen schwere, in Kooperation mit der Firma Von Roll produzierte und heute in Gerlafingen aufgestellte Eisenplastik Grosse Fünf hervorgeht. Es ist eine Zeit, in der Iseli intensiv über den allgemeinen Werkbegriff und die Wirkung seiner Kunst nachdenkt. In der Fabrik, so erklärt er, «wirken meine Arbeiten am unmittelbarsten, eine Eisenzüpfe [aus Eisen nachgebildeter Brotzopf] auf dem ‹Znünibrett› eines Arbeiters [...] hier bricht eine Überraschung durch, die auch Sehen heisst». Die Konzentration auf sich selbst und das Unmittelbare gewinnen für Iseli zunehmend an Bedeutung. Es entstehen vor allem Arbeiten auf Papier und Karton, und immer wieder taucht in ihnen die Silhouette des Künstlers auf: Die Werke Homme de St. Romain (1973) – wo er 1961 ein Haus erwarb – und Oranger Fäderma (1977) lassen (s)einen männlichen Oberkörper erahnen. Den in Wasserfarbe gemalten Fäderma versah Isli mit Erde und Federn – Materialien, die er fortan häufiger in seine Werke integrierte, nebst weiteren wie Nägeln, Bienenwaben und rostigen Eisenstücken.

 

Das durch die Firma Von Roll geförderte Wirken Rolf Iselis in den Industriehallen und sein prozessorientiertes künstlerisches Arbeiten beeinflusste bald weitere Künstler wie Franz Eggenschwiler oder Schang Hutter. 1972 war Iseli auf der documenta 5 vertreten.

 

Rolf Iseli wurde 1934 in Bern (CHE) geboren; er lebt und arbeitet ebendort und in Saint Romain im Burgund.

Tätigkeitsbereiche: Malerei, Collage, Grafik, Lithografie, Zeichnung, Plastik, Skulptur, Kunst am Bau

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