Rémy Markowitsch

© Rémy Markowitsch

Der Konzeptkünstler Rémy Markowitsch ist ein leidenschaftlicher Sammler von Bildmaterial, das er sich aus der Literatur über das Reisen und die Zeit der Entdeckungen aneignet und künstlerisch verarbeitet. Sein Interesse am Verhältnis zwischen Tradition und Fortschritt führte ihn unter anderem zu einer eingehenden Beschäftigung mit der Geschichte des Kolonialismus und der Welt der Alpen. Wenn er Tulpenzwiebeln fotografiert, dann geht es überraschenderweise um das riskante Spiel mit dem Glück, um den ersten Börsencrash.

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Die Serie von Tulpenfotografien mit dem Titel Bullish on Bulbs («auf Zwiebeln spekulieren») bezieht sich auf den Handel mit Tulpenzwiebeln, der im 17. Jahrhundert ausser Kontrolle geriet: Der erste Börsenkrach der Geschichte datiert in das Jahr 1637; herbeigeführt wurde er durch den Zusammenbruch des Tulpenzwiebelhandels in Holland. Auch Rembrandt verlor viel Geld dabei. Der in den Bildtiteln enthaltene Verweis auf eine japanische, asiatische und eine europäische Variante stellt eine Verbindung her zum heutigen globalen Optionshandel. Die mehrteilige Fotoinstallation Alps zeigt Aufnahmen aus den Jahrbüchern des Schweizer Alpen-Clubs von 1925 bis 1946. Der heilen Bergwelt wird durch das Überblenden von zwei Bergbildern ein bedrohlicher Ausdruck verliehen: Der Blick auf das alpine Panorama wirkt wie ein Sturz vom Gipfel. Das Werk ... hast Du meine Alpen gesehen? zeigt einen ausgestopften Hirsch in Lederhosen. Diese Skulptur ist mehr Kritik als Kitsch. Wem bekannt ist, dass der Zustand der Alpengletscher sich dramatisch verschlechtert hat, wird die Frage als Hilferuf verstehen.

Nach seiner Ausbildung zum Fotografen arbeitet Rémy Markowitsch zunächst als Journalist und Fotograf. 1991 begann er seine Karriere als freier Künstler. Als Ausgangsmaterial für seine Arbeiten dienten ihm seither zum Beispiel die Heidi-Kinderbücher der Autorin Johanna Spyri, Bildarchive des 20. Jahrhunderts, Pflanzenbücher der 1950er- oder Ertüchtigungsbücher der 1930er-Jahre. In diesen vorgefundenen Bilderwelten agiert der Künstler als Archivar, Chronist und Neuschöpfer.

Geboren wurde Rémy Markowitsch 1957 in Zürich (CHE); er lebt und arbeitet in Berlin (DEU).

Tätigkeitsbereiche: Fotografie, Installation, Video, Text

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