Olivier Mosset

© Olivier Mosset, 2006, Fotografie Susanna Kulli, Zürich

Olivier Mosset versteht ein Bild nicht in erster Linie als Malerei, sondern als Objekt. Konsequent wie nur wenige Kunstschaffende, die Farbe auf Fläche bringen, verwehrt er sich dagegen, Maler im herkömmlichen Sinn zu sein. Mit gutem Grund: denn nicht genuin malerische Aspekte der Bildproduktion wie Gestus oder Ausdruck interessieren ihn, sondern allein die Fakten – Farbe, Form, Material.

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Schon als Schüler in Neuchâtel beschäftigte sich Mosset mit Fragen der Malerei, liess sich inspirieren von Künstlern wie Jasper Johns oder Frank Stella. 1963, mit gerade mal 19, zog er nach Paris, wurde dort Assistent von Jean Tinguely, arbeitete für Daniel Spoerri und kam in Kontakt mit den Nouveaux Réalistes. 1967 gründete er mit Daniel Buren, Michel Parmentier und Niele Toroni die Künstlergruppe BMPT, die einen radikal nüchternen Neustart der Malerei forderte – auch als kritische Reaktion auf die damals erfolgreichen Vertreter des Abstrakten Expressionismus und der Zweiten Schule von Paris. Während Mosset im Atelier schwarze Kreise auf weissen Grund setzte, um sich im malerischen Exzess jede subjektive Handschrift abzutrainieren und dem Markt, der nach Unikaten verlangte, mit einer Serie von rund 200 gleichen Versionen die Stirn zu bieten, schloss er sich auf der Strasse den Protesten des Pariser Mai 1968 an und gründete einen marxistischen Motorradclub. Nach seinem Umzug nach New York 1977 wandte er sich der monochromen Malerei zu und gehörte ab 1983 zur lockeren Szene europäischer und US-amerikanischer Malerinnen und Maler des Radical Painting. Es folgten zweifarbige Streifenbilder und Shaped Canvases, mit denen er 1990 an der Biennale in Venedig im Schweizer Pavillon das Verhältnis von Bild und Objekt, Malerei und Skulptur erkundete. 1996 liess er sich in Tucson, Arizona, nieder.

Aus seiner New Yorker Zeit besitzt die Mobiliar ein grossformatiges Bild. Ohne Titel (1992) ergibt sich aus der Verbindung der imaginären Faltpunkte der gedrittelten linken und der halbierten rechten Bildkante. Die so entstehende Zickzacklinie diente Mosset als Kompositionsgrundlage für diese Farbfeldmalerei in Lichtgelb und Creme.

Olivier Mosset, der regelmässig mit Kunstschaffenden wie John Armleder, Amy Granat oder Cristina da Silva kollaboriert, gehört mit seiner konzeptuellen Malerei zu den wichtigsten Schweizer Künstlern der Gegenwart.

 

Olivier Mosset, 1944 in Neuchâtel / Neuenburg (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Tucson, Arizona (USA).

Tätigkeitsbereich: Malerei

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