Max von Moos

Für die Mobiliar bedeutete der Ankauf dieses 1936 datierten Gemäldes des Luzerners Max von Moos einen Glücksfall, gehört es doch zu einer künstlerisch sehr bedeutsamen Periode des Malers. In jenen Jahren bemerkte von Moos, dass das Subjektive oder Surreale in seinem Schaffen immer stärker werde. Diese Hinwendung zu einer Kunst, in der Realität und Traum miteinander verschmelzen und eine verfremdete Dingwirklichkeit evozieren, wird auch im vorliegenden Bild sichtbar.

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Dem Publikum offenbart sich eine surrealistische Landschaft, deren motivische Fundstücke verschiedener Formen und kontrastierender Farben sich scharf vom bläulich-düsteren Hintergrund abheben. Die diagonale Staffelung der fantastischen Gebilde mit ihren teils schroffen Kanten, teils weichen Rundungen erzeugt eine gewisse Räumlichkeit, weist dem Blick einen verschlungenen Pfad in die Tiefe. Der menschenleere Bildraum strahlt etwas Rätselhaftes und Magisches aus. Die Komposition erinnert entfernt an Kulissen eines modernen Bühnenstücks oder an die metaphysischen Landschaften eines Giorgio de Chirico. Max von Moos' Interesse für die Darstellung des Unbewussten liesse eigentlich auf eine enge Beziehung zum Kreis der Pariser Surrealisten Ende der zwanziger Jahre schliessen. Doch der als Einzelgänger bekannte Maler und Zeichner verfolgte diese Bewegung nur aus der Ferne und mied den direkten Kontakt. Ganz isoliert vom zeitgenössischen Geschehen lebte er jedoch nicht: 1936, im Entstehungsjahr dieser «surrealistischen Landschaft», gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe «Allianz», die sich hierzulande für die avantgardistischen Strömungen einsetzte.

Das damalige, grösstenteils konservative Kunstklima in der Schweiz sowie das auf Luzern beschränkte Wirkungsfeld des eigenwilligen Künstlers hatten primär zur Folge, dass von Moos kaum über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Sein Erfolg blieb bis zu Beginn der 60er Jahre auf einen kleinen Kreis beschränkt. Heute zählt er gemeinsam mit Meret Oppenheim, Otto Tschumi und Serge Brignoni zu den grossen Schweizer Persönlichkeiten des Surrealismus. Das Gemälde von 1936 kann als «seelische Landschaft» verstanden werden, es reflektiert die Anfänge einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit der inneren Wirklichkeit.

(Quelle: Katalog ‚Innovation und Tradition‘, Bern 2001)

 

Max von Moos wurde 1903 in Luzern (CHE) geboren und starb 1979 ebenda.

Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung

X Weniger

«Die Malerei ist wie ein zweites Ich...» Max von Moos, 1977

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