Koka Ramishvili

© Koka Ramishvili, 2011

Es gibt nur wenige Künstler, die kunstbezogene und gesellschaftspolitische Fragen gleichermassen thematisieren. Der gebürtige Georgier Koka Ramishvili ist einer von ihnen, und er benutzt dafür ganz unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. Dabei erreicht er in seinen Videos, Malereien, Zeichnungen, Fotografien und Objekten stets ein hohes Mass an Prägnanz und Anziehungskraft.

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Die Hinterfragung gängiger Kategorisierungen bildet eine wichtige Konstante in Ramishvilis multimedialem Œuvre. Dies gilt sowohl für die politisch motivierten Arbeiten, die vor allem in den 1990er-Jahren entstanden, als auch für die aktuellen Werke, in denen das Verhältnis unterschiedlicher künstlerischer Gattungen zueinander im Fokus steht. Die Videos Tea, Coffee und Milk beinhalten beide Aspekte. Es handelt sich dabei um drei kurze Videoclips, in denen jeweils eine Person Flüssigkeit aus einem Behältnis zielgerichtet neben die bereitstehende Tasse auf den Tisch giesst. Was zunächst lustig wirkt, hat einerseits subversives Potenzial: Ramishvili veranschaulicht an einem Beispiel aus dem Alltag das Abweichen von normierten Verhaltensmustern. Andererseits bestechen die drei Filme durch den statischen Kamerablick, der uns die Protagonisten wie durch ein rechteckiges Guckloch nur ausschnitthaft, ohne Kopf zeigt. Aus dieser bewussten Weglassung gewinnt das Motiv, das ebenso bildhaft wie filmisch wirkt, einen Grossteil seiner Spannung, und es offenbart Ramishvilis starkes Interesse an Fragen der Bilddramaturgie.   

International bekannt wurde Koka Ramishvili durch seinen Beitrag für den Georgischen Pavillon der Biennale von Venedig 2009. Als Künstler der sogenannten «letzten sowjetischen Generation» war er im Tbilisi der 1990er-Jahre Mitbegründer einer aktiven, offenen Kunstszene. Anfang 2000 engagierte er sich in Genf für den künstlerischen Austausch zwischen der Schweiz und Georgien.

1957 geboren in Tbilisi (GEO), lebt und arbeitet Koka Ramishvili seit 2000 in Genf (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Video, Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation

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„Yes, art can change your way of thinking, it’s a possibility to see the world from a different point of view. That means you are less depending on stereotypes and cliches and you can modulate future. Without art and creation you can't modulate future.” («Ja, Kunst kann die eigene Denkweise verändern. Sie bietet die Möglichkeit, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, was bedeutet, dass man weniger von Stereotypen und Klischee abhängig ist und die Zukunft modulieren kann. Ohne Kunst und Schöpfung kann man die Zukunft nicht modulieren.»)

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