Julian Charrière

© Julian Charrière; VG Bild-Kunst, Bonn, Germany

Man ist versucht, von einem Shootingstar der Kunst zu sprechen: 2017, im Alter von 30 Jahren, war Julian Charrière bereits auf der Biennale in Venedig vertreten, und die Liste seiner Auszeichnungen ist schon jetzt beeindruckend; 2018 erhielt er den Prix Mobilière. Seine Werke sind ästhetisch reizvoll und poetisch, muten aber oft auch unheimlich an: Sie erzählen von menschengemachten Umweltkatastrophen und von der Nichtigkeit des Menschen gegenüber der Natur.

Weiterlesen

Julian Charrière begibt sich gern in entlegenste Landschaften. Ein Forschungsreisender in künstlerischer Absicht, der Bereiche wie Geologie, Physik, Biologie und Kulturgeschichte streift, sucht er dort nach den weitreichenden, bleibenden Spuren der Zivilisation. Gleichzeitig zeugen viele seiner Werke von unseren idealisierten Naturvorstellungen und davon, dass die Menschheit im Kräftemessen mit der Natur letztlich doch den Kürzeren zieht. Symbolstark hat er dies etwa in The Blue Fossil Entropic Stories veranschaulicht: Die Fotoserie von 2011 zeigt den Künstler, wie er mit einem Gasbrenner den Eisberg anschmilzt, auf dem er steht. Auf der Venedig-Biennale 2017 präsentierte er imposante Säulen aus Lithiumsalz, einem Material, das gegenwärtig in betörend schönen Salzseen Südamerikas brachliegt – noch. Denn Lithium wird für den Bau von Akkus und Batterien verwendet, macht unser digital mobiles Leben erst möglich. Ein bedeutender Werkkomplex Charrières dreht sich um die Gebiete, in denen die Amerikaner einerseits und die Russen andererseits im Kalten Krieg Atomtests durchführten. Die Werke im Besitz der Mobiliar stammen aus diesen Serien: Sandstrandidyllen des Bikini-Atoll und verlassene Bunker in Kasachstan hat Charrière fotografiert und die Aufnahmen beim Belichten mit nuklear verseuchten Bodenpartikeln bestreut, was sternstaubähnliche Reflexe auf den fertigen Bildern hinterlässt. Auch die Kokosnüsse von Pacific Fiction sind verstrahlt. Verpackt in isolierendes Blei, doch wie ein Munitionslager getürmt, visualisieren sie sowohl das Aggressionspotenzial des Menschen als auch seine oft dürftigen Schutzmassnahmen gegen die daraus resultierenden Folgen.

Julian Charrière hat unter anderem am Berliner Institut für Raumexperimente des weltweit bekannten Künstlers Olafur Eliasson studiert und geht öfters auch künstlerische Kooperationen ein, vor allem mit Julius von Bismarck und dem Kollektiv Das Numen. Mit seiner regen internationalen Ausstellungstätigkeit gehört er zu den namhaftesten Schweizer Künstlern seiner Generation.

 

Julian Charrière wurde 1987 in Morges (CHE) geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Tätigkeitsbereiche: Objekt, Fotografie, Installation, Performance

X Weniger