Jürgen Drescher

© Gerald Imhof, Berlin

Jürgen Drescher hinterfragt in seiner Kunst die Strategien der Wertschöpfung in unserer globalisierten, auf Effizienz und Nutzen ausgerichteten Welt. Seine Methode ist der Transfer: die subtile Verwandlung und Verschiebung von Gegenständen und Zusammenhängen.

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Die Arbeiten Moving Box und Strapped Box sind Aluminiumabgüsse von herkömmlichen Umzugskartons. Deckel und Boden der Kartons sind aufgefaltet, die Boxen stehen auf dem Kopf. Ihre silbern glänzende Oberfläche bringt die Details des für gewöhnlich kaum beachteten Gegenstandes ansprechend zur Geltung: das Faltkonzept der Box, die Rillen, die Griffaussparungen. Mit der Nachbildung eines einfachen Produktes in einem anderen, kostbareren Material findet eine Kontextverschiebung statt: Etikettiert als Kunstwerk, erfährt der Gegenstand eine Aufwertung; er erscheint buchstäblich in einem anderen Licht. Mit diesem Vorgehen, das nicht nur unseren Blick auf Alltägliches verändert, sondern auch die Regeln der Kunstwelt infrage stellt, zwinkert Drescher zwei Schlüsselfiguren der Kunstgeschichte zu: Marcel Duchamp und Andy Warhol. Hatte Duchamp bereits in den 1910er-Jahren ein Fahrrad-Rad, einen Flaschentrockner und ein Urinal zu Kunst erklärt (und so das Prinzip des Readymade etabliert), verwandelte der Pop-Art-Künstler Warhol 1964 Waschpulver-Boxen von «Brillo» in Siebdruckobjekte.

Drescher animiert uns mit seinen Werken dazu, über unsere Gepflogenheiten, unsere Wertvorstellungen und über unseren Umgang mit Ressourcen nachzudenken. Er tut dies ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Witz und grosser Vielseitigkeit: als Bildhauer und Installationskünstler, der gelegentlich auch mit Videos und Texten arbeitet.

Jürgen Drescher ist 1955 in Karlsruhe (DEU) geboren, er lebt und arbeitet in Berlin (DEU).

Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Installation, Video, Text, Fotografie

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