Ingo Giezendanner

© Ingo Giezendanner / GRRRR; ProLitteris, Zürich 2018

Der Reiz von Grossstädten schlägt mitunter um in Reizüberflutung. Seit 1998 lotet Ingo Giezendanner alias GRRRR diese ambivalente Faszination der Metropolen zeichnend aus: Seine ausschnitthaften, detailverliebten Blätter, Wandbilder, Videos und Publikationen fangen die Vielfalt und Geschäftigkeit des urbanen Lebens ein und behalten dabei stets den Kosmos Stadt als Ganzes im Blick.

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Giezendanners Pseudonym entstammt der Comicwelt: «Grrrr» gehört zum Lautvokabular der Bildergeschichten, und auch der Stil seiner Werke verrät noch, dass der gelernte Grafiker ursprünglich Comiczeichner werden wollte. Bald aber begannen ihn die Bildkulissen mehr zu interessieren als die Handlung der Figuren. Seither streift er durch die Grossstädte der Welt und hält in einem Notizbuch fest, was ihn umgibt: Beschilderungen, Baustellen, Blumenkübel, Autos, Menschen. Im kontrastreichen Schwarz-Weiss der Tuschezeichnung, die das Blatt stets bis zum Rand füllt, gerät optisch alles in dieselbe Bildebene – die städtische Unübersichtlichkeit ist ideal gebannt. Seine Skizzen aus den verschiedenen Metropolen führt GRRRR zuweilen in grossformatigen Wandbildern zusammen. Im Falle des Mobiliar-Werkes wurden unter anderem Zeichnungen aus Islamabad und Tokio verarbeitet. Auf seiner interaktiv angelegten Website kann man sich zudem mittels einer Art Landkarte an ausgewählte gezeichnete Plätze klicken, mit den «Zines» des Künstlers kann man sie sich ins Bücherregal stellen. In all diesen Arbeiten schwingt eine leise Skepsis gegenüber der rasant forcierten Stadtentwicklung ebenso mit wie die Begeisterung für das bunte Nebeneinander des Urbanen.

Als häufiger Selbstverleger und Vertreiber seiner gezeichneten Produkte bewahrt sich Giezendanner eine gewisse Sonderposition im Kunstmarkt, und dies mit Erfolg: Er hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten – darunter ein Atelierstipendium der Stadt Zürich 2016 – und grosse Aufträge für Wandgemälde verwirklicht, beispielsweise im Zürcher Stadtspital Triemli (2015). 2005 konnte er verschiedene Videocartoons für das Schweizer Fernsehen realisieren.

 

Ingo Giezendanner wurde 1975 in Basel (CHE) geboren; er lebt und arbeitet in Zürich.

Tätigkeitsbereiche: Zeichnung, Wandzeichnung, Zines, Videos

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