George Steinmann

© George Steinmann, 2018, ProLitteris, Zürich

Alle sprechen heutzutage von «Thinking out of the Box» – der in Bern lebende George Steinmann setzt dies als Künstler tatsächlich auch um. Und nicht nur das: Denken reicht ihm nicht, ihn interessiert das Handeln. Seine Werke sind faszinierend, überraschend, emotional und klug.

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Im künstlerischen Forschungsprojekt «Suchraum Wildnis» widmet sich George Steinmann dem Phänomen der zunehmenden Verwilderung (schweizerisch: «Vergandung») im Schweizer Alpenraum. Eine Kulturlandschaft «vergandet», wenn der Mensch ihre Nutzung aufgibt und die natürliche Vegetation wieder ihren ursprünglichen Platz zurückerobert. In der Schweiz bedeutet dies in der Regel die Entstehung von Wald auf Wiesen und Weiden. Durch diesen Vorgang können schützenswerte Kulturlandschaften verschwinden. Aber auch bestehende Wälder verwildern aufgrund mangelnder Bewirtschaftung. Das heisst sie werden dichter, das Totholz bleibt liegen, ein «Urwald» entsteht. Ist die Verwilderung eine Bedrohung oder Chance? Hier streiten sich Experten über die unterschiedlichen Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung. Das fotografische Werk George Steinmanns beleuchtet das Thema der Verwilderung, in dem ökonomische, soziale und wissenschaftliche, aber auch kulturelle Komponenten auf das Engste miteinander verbunden sind. Mit den mit Heidelbeersaft blau eingefärbten Wildnis-Fotografien weist der Künstler uns darauf hin, dass es den «neutralen Blick auf die Natur» nicht gibt. Er geht den verschiedenen Gesichtspunkten der Verwilderung mit künstlerischem Blick nach. Eine wichtige Basis ist neben den Recherchen vor Ort bzw. im Wald auch die Auseinandersetzung mit den beteiligten Protagonisten im Konflikt um die gepflegte Kulturlandschaft und Wildnis. Mit dem Kunstwerk betritt Steinmann ein Themenfeld, das in der Regel von einer naturwissenschaftlich-technischen oder soziologisch-wirtschaftlichen Argumentation bestimmt wird. Indem er jedoch die Ästhetik und die künstlerische Wahrnehmung ins Zentrum seiner Forschungsarbeit stellt, unterstreicht er den Anspruch des Künstlers, als gleichberechtigter Diskussionspartner der Wissenschaften aufzutreten.

Der Berner Künstler George Steinmann zählt international zu den Kulturschaffenden, die sich dezidiert mit Fragen der Zukunftsfähigkeit beschäftigen. Seine künstlerische Arbeit umfasst nicht nur Objekte, Zeichnungen, Installationen oder ganze Gebäude im öffentlichen Raum, sondern auch eine professionelle Netzwerkpflege, durch die er mit grosser Überzeugungskraft Kunst, Wissenschaft und Praxis zusammenbringt und neue Dialoge in Gang setzt.

 

George Steinmann wurde 1950 in Bern geboren. Er lebt und arbeitet ebenda.

Tätigkeitsbereich: Fotografie, Installation, Forschung, Musik

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