Daniele Buetti

© Daniele Buetti

Die Arbeiten von Daniele Buetti regen zum Nachdenken über uns selbst und zum kritischen Reflektieren unserer Zeit an. Mit grosser Präzision legt der Künstler in seinen Arbeiten die Fallstricke offen, über die wir in unserer Kommunikation und in unserer auf Äusserlichkeiten bedachten Identitätsbildung straucheln können.

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Die Mobiliar besitzt Werke aus zwei Schaffensphasen Buettis: Die Serie Looking for Love zeigt Fotografien von makellosen Supermodels. Der Künstler hat die aus Modemagazinen ausgewählten Reproduktionen auf der Rückseite mit dem Kugelschreiber bearbeitet und auf diese Weise Modelabels wie die von Chanel oder Louis Vuitton unter die perfekt retouchierte Haut der Models gesetzt. Die Labels treten wie Brandmale hervor; die unnahbare Schönheit der Models erscheint mit einem Mal verletzlich und einsam. 1998 erweiterte Buetti die Serie um eine weitere Ebene, indem er Leuchtkästen verwendete und geschwungene Schriftzüge integrierte, wie die Arbeit Why Reincarnation zeigt. Bildsprachlich vollkommen anders, bei näherer Betrachtung jedoch verwandt, sind die SMS-Dialoge, an denen der Künstler seit 2013 arbeitet. Sie zeigen skurrile Dialoge, die durch Unachtsamkeit, Autokorrektursysteme oder Missverständnisse durch die falsche Empfängerwahl entstanden sind. Bei dieser Serie ist es nicht der medial auferlegte Druck, einem Schönheitsideal zu entsprechen, sondern der Zeitdruck, den uns Buetti vor Augen führt. Beide Male spielt die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft eine Rolle, die tiefgreifende Verletzungen und Verwirrungen hervorrufen kann.

Buettis Schaffen zeichnet sich durch die konsequente Ausarbeitung kohärenter Werkgruppen aus, die sich über mehrere Jahre entwickeln. Dabei schöpft der Künstler immer wieder aus der Alltags- und Popkultur.

Daniele Buetti ist 1955 in Freiburg im Üechtland (CHE) geboren; er lebt und arbeitet in Zürich (CHE) und Münster (DEU).

Tätigkeitsbereiche: Fotografie, Video, Installation, Skulptur, Zeichnung, Konzeptkunst

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«1. Kunst wird die Antwort sein.
2. Kunst wird keine Schuld tragen.
3. Die Bedingungen werden gut für die Kunst.
4. Die Bedingungen werden schlecht für die Kunst.
5. Kunst wird grossartig sein.
6. Kunst wird in Zukunft per Hand gemacht sein.
7. Kunst wird in Zukunft nur virtuell existieren.
8. Alles wird in Zukunft Kunst sein: Kleider, Teller, Glückwünsche, Macht, Steppdecken,
Zahnbesteck, Teamworks, Talkshows, der Geisteszustand, Meteoriten, meine
schmerzenden Knie, die Moral, der Sonnenuntergang, die Eroberung des Weltalls, das
Glück und die Freundschaften, Mineralwasser, die soziale Botschaft.
9. Die im Kunstwerk intendierten Ideen werden für alle und überall verständlich sein.
10. Kunst wird in Zukunft immer gleichzeitig gut und schlecht, wunderschön und hässlich,
anti und pro sein.
11. In Zukunft werden sich alle an der Kunst erfreuen.
12. Kunst wird in Zukunft ungehörig, anzüglich, beleidigend, widerlich sein.
13. Kunst wird in Zukunft harmlos, unbedenklich, schonend, nett sein.
14. Kunst wird in Zukunft auf jede einzelne Person angepasst sein.
15. Jedes Kunstwerk wird real sein.
16. Der wahre Sinn der Kunst wird in Zukunft die Zukunft sein.»

siehe auch