Christian Denzler

In vielen künstlerischen Œuvres lässt sich eine Entwicklung von der Figuration hin zur Abstraktion nachzeichnen. Dass einer den umgekehrten Weg geht und beide Pole in der Balance hält, ist seltener. Christian Denzler tut es. Hatte er früher in geometrisierenden Gemälden Gestalten angedeutet, so entstehen heute detaillierte zeichnerische Porträts parallel zu abstrakten Kompositionen. Konstant bleiben das prekäre Moment von Formwerdung und Auflösung sowie die Auseinandersetzung mit Körperlichkeit.

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Die Zeichnung war für Denzler schon immer wichtig, doch hat er zu Beginn seiner Künstlerkarriere oft auch gemalt. In grossen, schmalen Bildern etwa, von denen die Mobiliar mehrere besitzt, verschränkte er raffiniert stilisierte Frauenfiguren und Florales in flächiger, geometrisch anmutender Formensprache. Rein abstrakte Bildfindungen, die auf serieller Reihung beruhen, entstehen bis heute, allerdings nun fast ausschliesslich als Zeichnung. Das Medium hat seit Denzlers Umzug nach Brüssel 1995 eine neue Ausprägung und zentrale Bedeutung erhalten: Zunehmend bestehen seine Werke aus geduldig aneinandergefügten, feinsten Bleistiftstrichen, die sich verdichten oder lichten und so Dinge sichtbar werden lassen. Neben kuriosen Blättern, die scheinbar Häufungen von Brustwarzen, tierischen Körperfortsätzen oder Haare zeigen, sind grossformatige Porträtzeichnungen charakteristisch geworden für Denzler. Die Fotovorlagen, die der Künstler auf Flohmärkten findet, werden allerdings eher auf das Blatt «gehaucht» als gezeichnet. Farbauftrag und Kontraste sind so dezent, dass das dargestellte Gesicht kaum richtig fassbar wird und eher wie ein Nachbild anmutet.

Christian Denzler, der 1993 sein Diplom als Architekt an der ETH Zürich erhielt, beschäftigt sich auch mit Sprache, verfasst Poesie und Prosa und schrieb 2016 Songtexte für den befreundeten Musiker Simon Ho. Als bildender Künstler wurde er mit dem Werkbeitrag der Stadt Bern (1996), mit dem Aeschlimann Corti Förderpreis (1998) und mit dem Eidgenössischen Atelierstipendium in Rom (1999) ausgezeichnet. 2006 folgte der Aeschlimann Corti Hauptpreis.

 

Christian Denzler wurde 1966 in Winterthur (CHE) geboren. Seit 1995 lebt und arbeitet er in Brüssel (BEL) und Bern (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Zeichnung, Malerei, Wandmalerei, Skulptur, Poesie

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