Carl Walter Liner

© Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell. Carl Walter Liner in seinem Pariser Atelier, 1978, Archiv Kunstmuseum Appenzell.

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Carl Walter Liner stand die Landschaftsmalerei, der er sich in einem breiten stilistischen Spektrum von der Lichtmalerei der Spätimpressionisten bis zu einem an den Fauvisten geschulten Expressionismus widmete. Parallel dazu wandte er sich ab Mitte der 1950er-Jahre zunehmend der ungegenständlichen Malerei zu.

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Liner, in St. Gallen geboren, aufgewachsen in Appenzell, ging bei seinem Vater Carl August Liner (1871–1946), einem regional bekannten Kunstmaler, in die Lehre. Nach einer längeren Ägyptenreise siedelte er 1938 nach Paris über, studierte an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts und wechselte schliesslich an die von der Schweizerin Martha Stettler geleitete Académie de la Grande Chaumière. Sein Lehrer Othon Friesz weckte Liners Interesse an Fragen der Abstraktion und machte ihn unter anderem mit Georges Braque bekannt.

Das undatierte Ölgemälde Fulen mit Alpstein, das sich in der Kunstsammlung der Mobiliar befindet, zeigt das Alpsteinmassiv vom Respass aus, mit dem markanten Gipfel des Fulen im Zentrum. Der Frühling kündigt sich an, erstes Grün bricht durch den Schnee, zwischen den schattigen Hängen bringt die Sonne die Farben zum Leuchten. In schnellem Strich löst Liner die Landschaft hier in flirrende Farbfelder auf, zwischen denen die Umrisse einzelner Bäume wie nervöse Flammen emporzüngeln. Diese emotional aufgeladene Skizzenhaftigkeit ist typisch für den Pleinair-Routinier Liner, der auch nach seiner Hinwendung zur nichtgegenständlichen Malerei im Zuge der Nouvelle École de Paris dem Thema Landschaft treu blieb: «Die Abstraktion in meiner Malerei ist nicht ein Abwenden von der Natur, sondern eine neue Sicht der Natur, eine Ergänzung und Erweiterung in die Phantasie.»*

Carl Walter Liner gehört zu den wichtigen Wegbereitern der gegenstandsfreien Kunst in der Schweiz – und aufgrund seiner regen Ausstellungstätigkeit wohl auch zu den populärsten. Mit seiner Anknüpfung an Traditionen der Landschaftsmalerei und ihrer Engführung mit zeitgenössischen Tendenzen der Abstraktion nimmt er eine besondere Rolle in der jüngeren Schweizer Kunstgeschichte ein.

 

Carl Liner junior wurde 1914 in St. Gallen (CHE) geboren und verstarb 1997 in Appenzell (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Aquarell, Wandbild

 

* zitiert nach: Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell

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