Alexandra Navratil

© Alexandra Navratil

Alexandra Navratil beschäftigt sich in ihren Video-, Film- und Fotoarbeiten mit verborgenen Aspekten der Mediengeschichte von Film und Fotografie. Was sie interessiert ist die Frage, welche Spuren gesellschaftliche oder politische Entwicklungen im Material der Bilder hinterlassen und wie sich der technologische Fortschritt der Bildproduktion in die Welt einschreibt.

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Angesichts der umfassenden Digitalisierung der Bildproduktion und der zunehmenden Verdrängung analoger Verfahren ist das Archiv als Rechercheort für Navratil ebenso wichtig wie als Gegenstand ihrer künstlerischen Arbeit. Die Kollateraleffekte des Bildermachens erforschend, blickt sie gleichsam aus der Dunkelkammer der Materialgeschichte auf unsere Gegenwart.

Die Serie Bitterfeld von 2016 geht auf eine solche Recherche im AGFA-Archiv Bitterfeld-Wolfen zurück. Bis in die 1990er-Jahre leitete das ehemalige DDR-Filmwerk kontaminierte Abwässer in einen nahen See, der lange zu den am stärksten verseuchten Gewässern Europas zählte. Navratil nahm in der Umgebung dieses Sees Abdrücke der einst vergifteten Böden und übermalte die Polyesterreliefs mit einer Silbernitratlösung, die auf Licht und Sauerstoff reagiert. Durch diese Behandlung mutierte jeder Abdruck zu einer Art 3-D-Fotografie, welche, wie Navratil sagt, «auf die Möglichkeit einer lichtempfindlichen Landschaft spekuliert, die alle vergangenen und zukünftigen Erinnerungen an das zerbrochene Land registriert».

Auch ihre Serie Grafted Land von 2017 verdankt sich dem Abformen von Oberflächen, welche die Künstlerin hier eigenhändig aus ineinander geschichteten organischen Materialien und synthetischen High-Tech-Stoffen komponiert hat. Die hybriden Formen dieser Aluminiumreliefs zwischen Landkarte und Lettern fügen sich an der Wand zu schimmernden Zeichenfolgen, die sich als eine poetische Archäologie der Zukunft entziffern lassen.

Alexandra Navratil gehört zu einer Generation junger Kunstschaffender, die in der Folge des «material turn» in den Sozial- und Kulturwissenschaften auch in der Kunst verstärkt Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, ökologischen und geologischen Prozessen in den Blick nehmen.

 

Alexandra Navratil, 1978 geboren in Zürich (CHE), lebt und arbeitet in Zürich und Amsterdam (NLD).

Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Installation, Video, Fotografie, Zeichnung

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Kunst bringt uns nicht weiter, weiter würde einen Fortschrittsglauben implizieren, den ich nicht habe. Kunst eröffnet die Möglichkeit des Nachdenkens über Dinge und Ideen und des Nachdenkens mit anderen zusammen über Dinge und Ideen und das ist ja schon sehr viel.