Alessandro Balteo Yazbeck

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Wie ein Ermittler spürt der Künstler Alessandro Balteo-Yazbeck brisante Verstrickungen zwischen Politik, Wirtschaft und Kunst auf. Seine Erkenntnisse übersetzt er unter Verwendung unterschiedlichster Medien in hochspannende Installationen. Sie beweisen, dass auch eine Kunst, die schonungslos reale Ereignisse aufdeckt, von grosser Sinnlichkeit sein kann.

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Yazbeck verfolgt eine künstlerische Strategie, in der er auch als Forscher, Historiker und Kurator aktiv wird. Stets geht es darum, die geheimen Geschichten hinter unserem Kulturbegriff zu enthüllen. So hat er gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Media Farzin die Werkserie Cultural Diplomacy: An Art We Neglect erarbeitet und darin unter anderem die verschiedenen Rollen durchleuchtet, die Nelson Rockefeller in Politik, Wirtschaft und Kultur innehatte: Rockefeller gehörte dem Kuratorium des Museum of Modern Art in New York an (zeitweilig als dessen Präsident), er war im Vorstand einer venezolanischen Tochtergesellschaft von Standard Oil und im Zweiten Weltkrieg Leiter eines staatlichen Büros für amerikanische Propaganda in Mittel- und Südamerika. Die im Besitz der Mobiliar befindliche Arbeit R.S.V.P., 1939 zeigt neben dem Konterfei Rockefellers auf einer Ausgabe von Time die Reproduktion einer satirischen Einladung ins «neue Museum für Standard Oil»: Eine Mitarbeiterin des MoMA hatte sie entworfen, weil einige Museumsangestellte 1939 nicht zur elitären Eröffungsfeier des Neubaus eingeladen wurden.

Auch die Werke der Serie Chinchorro/Hängematte handeln von Reibungen zwischen Ökonomie und Kultur: Yazbeck hat Siebdrucke von Rolando Peñas in die von einheimischen Handwerkern angefertigten Hängematten gelegt: Sie zeigen Ölfördertürme, das Symbol der verstaatlichten Ölausbeutung Venezuelas in den 1970er-Jahren.

Am Anfang jeder Arbeit, so erklärt Yazbeck, stehe eine Idee, und dann produziere er ein Objekt, das diese Idee wie ein trojanisches Pferd in den Ausstellungsraum bringe. Mit seinem Vorgehen hat er Kritik und Publikum längst überzeugt – unter anderem in Gruppenausstellungen im Metropolitan Museum of Art, New York (2018/2019), im Musée d’art contemporain de Bordeaux (2017) und im Museum of Contemporary Art, Detroit (2013).

 

Alessandro Balteo-Yazbeck wurde 1972 in Caracas (VEN) geboren. Von 2000 bis 2010 lebte er in New York (USA), mittlerweile ist er in Berlin (DEU) beheimatet.

Tätigkeitsbereiche: Mixed-Media, Installationen

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