Blick aus dem Atelier in das winterliche Dorf

1938,
65 x 54.8 cm
Materials and Techniques
Öl auf Leinwand

Wiederkehrende Bildthemen wie Blumenstillleben, Garten- und Obsterntebilder spiegeln nicht nur die innige Naturverbundenheit Cuno Amiets, sondern zeugen von seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten der Malerei. Zum charakteristischen Ausdrucksmittel wird dabei die Farbe, ihre Spielarten in Form von Kalt-Warm- oder Hell-Dunkel-Kontrasten sowie der Farbauftrag in einer sichtbaren, strukturierenden Pinselschrift.

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Im Entstehungsjahr des Bildes Blick aus dem Atelier herrschte bereits Krieg in Europa, vor dessen tragischen Folgen Cuno Amiet glücklicherweise verschont geblieben ist. Seit vielen Jahren lebte er mit seiner Frau in einem kleinen Bauernweiler im Emmental, auf der Oschwand, welche durch die nie versiegende Gastfreundschaft der Amiets zum beliebten Treffpunkt von Künstlern, Sammlern und Literaten wurde. Unweit des Wohnhauses diente eine grosse, umgebaute Scheune als Atelier, die wegen der stattlichen Raumhöhe und dem eingebauten Oberlichtfenster diese Funktion bestens erfüllte. Verschiedentlich hat Amiet das Atelier selbst zum Thema seiner Bilder gemacht, wobei er stets einen ähnlichen Bildausschnitt wählte, der die unmittelbare Umgebung vor dem Atelierfenster fokussiert.

Das Gemälde Blick aus dem Atelier strahlt durch Möblierung und Grünpflanzen denn auch eher den intimen Charakter eines traditionellen Interieurbildes aus, das dem Betrachter eine Welt häuslicher Zurückgezogenheit und stillen Friedens eröffnet. Doch interessiert hier ebenso der Blick nach draussen, durch das geschlossene Fenster auf die verschneiten Dächer der Nachbarhäuser. Die Sicht nach innen, in den eigentlichen Atelierbereich, bleibt uns verwehrt.

(Quelle: Katalog ‚Innovation und Tradition‘, Bern 2001)